Montag, 27. August 2012

Hitler - Kann Das Sein?

Wusstet ihr, dass die Geschichte der Deutschen lediglich eine Zeitspanne von 12 Jahren hat? Das ist eine Generation - das hat mir übrigens ein älterer Herr nahegelegt... Eine Zeitspanne, 1933 bis 1945, deren Daten und Fakten wir runterrattern können, wie das EinmalEins. Gut so! Schließlich sollte man die Geschichte seines Volkes lehren und kennen.. oder umgekehrt.

Natürlich ist unsere Historie weitaus vielfältiger, aber wenn ich so zurückdenke, hmmm nein, ist sie eigentlich auch wieder nicht. Wie ich darauf komme? Ganz einfach: Erinnert euch mal an eure Schulzeit.

wikipedia.org
Nun, meine ist noch nicht ganz so lange her, deshalb kann ich mich gut daran erinnern, dass im Geschichtsunterricht - und wenn gerade nicht da, dann eben im Politikunterricht - grundsätzlich etwas nach Hitler stank. Versteht mich nicht falsch, natürlich müssen wir alle wissen, was für ein ätzender und größenwahnsinniger er Typ war, und was er trotzdem alles geschafft hat - gerade wenn es darum geht Menschen wie Dich und Mich kalt zu machen - und zwar im ganz großen Stil. Und wir müssen wissen, dass es ebenso Menschen waren wie Du und Ich, die all das zugelassen, wenn nicht sogar mitgemischt haben. Klar, sollten wir nicht vergessen. Niemals! Nicht eine einzige Sekunde...

Aber sollten wir uns weiterhin schämen?

Ich weiß, dass das ein schwieriges Thema ist. Leute die, sich unterhalten und sagen "Hitler hat auch Gutes getan, Arbeit gebracht, die Autobahn gebaut" - tun dies stets mit eingezogenem Kopf und hinter vorgehaltener Hand.
Es sei denn, es sind hirnbegrenzte Faschos mit brauner Scheiße im Kopf.... aber diese Spezies wollte ich jetzt gerne mal außen vor lassen...
Nun, wie gesagt, wer ein "gutes" Wort über Massenmörder Adolf verliert, der riskiert öffentliche Skalpierung, bedeutet das gleichzeitig sie haben Unrecht? Ich persönlich bin eine der Ersten, die sich in solche Momenten erhebt und Dementi brüllt. Ich kann an Massenmördern einfach nichts gutes finden.... - nun, das liegt wohl auch daran, das ich dazu erzogen wurde. Dieses Thema ist nicht witzig, es ist nicht diskutabel und ihm ist mit Demut zu begegnen....

Aber ich frage nochmal: Müssen wir uns weiterhin schämen?

Mein rechenbehindertes Hirn überschlägt gerade so ungefähr 60 Jahre. Stimmt das mit den 12 Jahren, sind das fünf Generationen, wenn man's genau nimmt. Sieht man es praktisch, sind es wohl eher drei Generationen. Die Eltern meiner Eltern waren betroffen. Entweder haben sie sich an Verbrechen an der Menschheit schuldig gemacht, oder sie haben ihr Leben riskiert, indem sie solche versucht haben zu verhindern. Viel mehr Grauzone dazwischen blieb - wie wir ja wissen - leider nicht, auch wenn viele das gerne ausdiskutieren würden.
Ich will aber nicht diskutieren. Ich will etwas feststellen und ein Warum in den Raum setzten.

Engländer, Holländer, Spanier und Portugiesen haben vor mehreren hundert Jahren ihre Segel gesetzt und sind nach Amerika getuckert, um dort angekommen erstmal alles abzuschlachten, was die Jungfrau Maria nicht kannte. Inkas, Mayas, Indianer... Tausende Ureinwohner wurden gnadenlos gemetzelt und das was übrig ist, wird auch heute noch gut und gerne in Reservate gesteckt.
Die "Amerikaner" stehen aber bei jeder Gelegenheit stramm, singen stolz ihre Hymne und hissen patriotisch ihre Flagge. Sind sie deshalb Nazis? - Nein. Wieso auch?

Mao Tse-Tung, † 9. Sept. 1976
Unter der Führung Mao Tse-Tungs wurden in China nach der Hundert-Blumen-Bewegung und während der "Kampagne gegen Rechts" Tausende Menschen dafür lebendig begraben, dass sie Brillen trugen und somit Intellektuelle waren. Sein "Großer Sprung nach vorn", der dazu dienen sollte eine industrielle Großmacht aus China zu machen, kostete circa 40 Millionen Menschen den Hungertod. Nach neusten Erkenntnissen wird er sogar als größter Massenmörder der Weltgeschichte gehandelt...
Nun, der Maoismus und seine rote Bibel gibt es auch heute noch in China. Sind sie deshalb Nazis? - Nein, scheinbar auch sie nicht.

Das waren jetzt nur zwei Beispiele, die mir so in den Kopf schossen. Wir wissen jedoch alle, dass die Bevölkerung unser Welt nunmal leider aus Menschen besteht. Und diese neigen dazu, sich als hasserfüllte, minderbemittelte Massenmörder zu entpuppen.
Oft auch die, die zumindest vorgeben, es eigentlich gut zu meinen.

Jetzt stellt sich mir die Frage, wieso ein Deutscher, der außerhalb von EM oder WM seine Flagge hisst, aus reiner Liebe zu seinem Land, grundsätzlich Angst davor haben muss, als Nazi bezeichnet  zu werden?
Ich bin jetzt nicht der stolze Deutsche, dafür gehen mir Politik und Mentalität in diesem Land viel zu sehr auf den Sack, aber es ist doch das verdammte Recht meines Nachbarn seine olle Flagge rauszuhängen. Oder lieber ein deutsches Auto zu fahren als ein Französisches. Oder zu sagen, dass er seine Kinder lieber in einer Klasse sieht, die nicht zu 90 Prozent aus Türken besteht - Gerade in diesem Augenblick überlege ich sogar, ob ich jetzt so was schreiben muss wie "Ich hab nichts gegen Türken". Muss ich? Nein, muss ich nicht! Das ist eine Frage die sich von selbst beantwortet.
Kein Deutscher ist ein Nazi, weil er sein Land liebt, oder weil er lieber unter "Seinesgleichen" ist. Das geht doch allen anderen Völkern auch so... Kein Deutscher, Russe, Franzose oder Senegalese  sollte sich für eine verabscheuungswürdiege Schandtat schämen, die er nicht begangen hat, sondern seine Vorfahren. Natürlich darf niemand vergessen. Niemals! Aber wir sollten uns nicht auf zwölf Jahre Geschichte reduzieren lassen, auch nicht in der Schule.

Wir haben nämlich noch viel mehr Scheiße gebaut in der Vergangenheit. Genauso wie alle anderen auch. Lasst uns daraus lernen. Aber nicht schämen!


Kommentare:

  1. Genau genommen, sind 12 Jahre nicht mal eine halbe Generation :).
    Guter Text, vernünftige Sichtweise!

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  2. Ich stimme meinem Vorkommentator im Grunde zu. Die Chinesen, Amerikaner,Stalin und sonstige Dikatoren, Massenmörder sind eben doch Nazis, wenn man nach der schlichten Definition des Wortes "Nationalsozialist" geht.

    Aber in zwei Sachen kann ich dir nicht zustimmen:
    1. Wieso sollte ein deutsches Kind nicht in eine Klasse gehen, in der 90% Türken sind? Die Kinder können doch eigentlich viel voneinander lernen und dieses gesamte unnötige Grenzentum beseitigen. Genau das liebe ich an Deutschland, dass hier soviele verschiedene Kulturen zu Hause sind. Und gerade Kinder gehen (wenn sie es nicht anders durch ihre Eltern gelernt haben) eher unvoreingenommen auf die "fremden" Kulturen zu und sind interessiert, statt ängstlich.

    und

    2.Ich finde, dass man darüber eben doch Witze machen und darüber lachen kann und sogar in gewissem Maße auch sollte. Ich meine jetzt nicht über die Todesopfer, an sterbenden Menschen finde ich im Prinzip auch nichts amüsantes. Aber Lachen befreit, schafft Grenzen beiseite und ermöglicht es sich mit solch schwierigen Themen überhaupt außeinandersetzen zu können.
    Und wenn du mal richtig lachen willst, dann lese doch mal "Mein Kampf" ;)


    Grüße

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    1. natürlich hast du recht, ich hab auch nichts dagegen meine ungeborenen Kinder in kulturell gemischte Schulklassen zu stecken. Aber wenn ich wählen kann zwischen einer "bunten" klasse, und einer, in der eine ethnische Gruppe den Großteil bildet, egal ob türken, deutsche oder Chinesen, dann wähle ich aus Überzeugung die bunte. Aus genau den gründen, die du angeregt hast.

      Ich habe mein Kampf nie gelesen, aber eventuell kommt es auf den Stapel der zu lesenden Bücher ;)

      Alles in allem, vielen dank für deinen aufschlussreichen kommi :)

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