Dienstag, 28. Mai 2013

A Wriggling Creature

 
Under the blue sky in the darkness
held close by the deep blue
In the heightened space
exists a creature that just starts wriggling

"Ich verliere den Verstand" – Das Gefühl haben wir alle mal. Das Gefühl, nicht mehr Herr unseres Selbst zu sein, weil etwas in uns Überhand nimmt...
Im Lied der japanischen Sängerin Kokia heißt es: Unter dem blauen Himmel in der Dunkelheit, im erhöhten Zwischenraum, wo das Blau tiefdunkel wird, existiert eine Kreatur, die beginnt sich zu winden.
Diese Seite an uns, diese Kreatur, die vielleicht schon immer da war, eventuell aber auch nur das Resultat von Erlebtem oder Erfahrenem ist, steckt wohl in jedem von uns. Eine Kreatur, die den Menschen in uns auffrisst und uns zu jemandem macht, von dem wir wissen, dass wir das nicht sind. Eine Kreatur, die für uns selbst oder für andere eine Gefahr ist oder werden kann.
Nun, bevor wir jetzt hysterisch zum nächstbesten Therapeuten rennen, sollten wir uns vor Augen halten, dass wir alle manchmal an unsere mentalen Grenzen stoßen. In unser wirtschaftszerfressenen Gesellschaft aus Arbeitswahn und kapitalistischem Schwanzvergleich passiert das sogar schneller, als wir selbst es oft wahrhaben wollen. Schlagworte wie 'Borderline' oder 'Burn out' gehören zum Alltagsjargon. Betroffen sind längst nicht mehr nur die "asozialen Randgruppen", also alkoholkranke Familien aus vergessenen Ghettos - was ja sowieso vollkommener Blödsinn ist. 
Denn der Wahnsinn macht bei arm und reich keinen Unterschied. Auch das Alter scheint ihm mittlerweile am Arsch vorbei zu gehen, bedenken wir wir die Zahlen der 'erkrankten' Jugendlichen.

Verlier das Licht nicht aus den Augen. Foto: xx
Überforderung ist dabei ein ausschlaggebender Punkt, wenn nicht sogar der ausschlaggebende Punkt. Ich habe da selbst auch schon mein Erfahrungen machen dürfen, obwohl ich bisher über die Modeerscheinung Burn out nur lachen konnte. Ich tat das Ganze ab als Entschuldigung für faule Leute mit Teilzeitanstellung als Attention Whore. Bis ich tatsächlich selbst auf der Endlosschleife eines Arbeitsmarathons zusammenbrach, weil ich mich einfach nicht mehr fähig sah, einen einzigen weiteren Tag in meinem Traumjob zu organisieren und zu überstehen. Bei mir persönlich lag die Überforderung nicht in der Arbeit selbst, sondern in der Tatsache, dass der nächste Länger-als-drei-Stunden-Schlaf in weite Ferne gerückt war. Und plötzlich finden wir uns in einem universellen Schwächeanfall wieder, machtlos und nicht fähig, den freudig zum Abschied winkenden Menschenverstand zum bleiben zu bewegen. 
Sagt alles, oder?
Erst am vergangenen Wochenende unterhielt ich mich über dieses Thema mit meiner Familie. Von meiner Mutter, die in einer entsprechenden Einrichtung arbeitet weiß ich, dass sich der Anteil Faulheitund unfähige Jugend sich die Waage hält. Wir sind uns allerdings einig, dass ein großer Anteil Unfähigkeit mit der Medialisierung der heutigen Erziehung zusammenhängt...

Aber zurück zum Thema: Das heißt jetzt nicht, dass jede Überforderung in unserem Leben einen Jahresvorrat an Antidepressiva rechtfertigt. Zeitweiliges Ängste ertränken in Drogen, Alkohol oder den drei 'großen S', (Schokolade, Sport und Sex) macht zwar Spaß, hat aber auch noch niemandem geholfen oder Probleme gelöst (Künstler mal vorsichtig ausgeklammert).
Auch ist nicht jede vorübergehende Depression eine sechs Jahre andauernde Therapie wert. Ich gehe sogar so weit zu verlangen, gewisse Verhaltensweisen, Gedanken und Gelüste als das abzutun, was sie sind: Nämlich vollkommen normal. Im weitesten Sinne.

Wenn's gefällt... Quelle: independentpoliticalreport.com
Ich meine, was ist denn schon normal? Und wenn wir schon mit leeren Phrasen um uns werfen: Normal ist doch relativ. Haben wir nicht alle die eine oder andere Leiche im Keller liegen? Eine Kreatur, die sich zwischen unserem Bewusstsein und unserem Geist versteckt und sich – warum auch immer – räkelt und windet und mehr Platz einfordert? 
Ob es sich dabei um den Lehrer handelt, der gern die Höschen seiner Frau drunter zieht, die Sekretärin aus der Personalabteilung, die sich gern den Arsch versohlen lässt, oder den jungen Mann, der nichts lieber tut als die Ausbeute seiner Nase zu essen, ist doch vollkommen egal. Schließlich ist das alles irgendwie krank, würden wir sagen, betrachten wir das Ganze aus der politisch korrekten Perspektive. 

Tun wir das nicht, könnten wir auch sagen: Lass sie doch, wenn's sie glücklich macht.

Kommentare:

  1. Dort irgendwo ganz tief in mir,
    Verbirgt sich dieses alte Tier.
    Es ist das Tier, das Sehnsucht heißt,
    Das sich durch meinen Körper beißt.
    Es wütet, kratzt und beißt und kreischt
    Und wühlt sich durch mein weiches Fleisch.
    Das Vieh, es läßt mir keine Ruh'.
    Ich lock' es an und greife zu.
    "Jetzt hab' ich dich! Jetzt bist du mein!
    Ich schlage dir den Schädel ein!"
    "Nein tu mir nichts! Kann nichts dafür,
    Ich bin doch nur ein wildes Tier."

    ASP - Die kleine Ballade vom schwarzen Schmetterling.

    In der heutigen "Dauerstress-Gesellschaft" ist es eben extrem wichtig etwas zu haben in das man sich flüchten kann. Die Flucht aus dem Alltag ist es was uns den Stress vergessen lässt und der Seele Entspannung bringt. Darum Trainiere ich zum Beispiel Ju-Jutsu und gehe zur Feuerwehr. Weil in dem Augenblick, in dem Ich auf die Matte trete oder in dem ich den Helm aufsetze, der Alltag in weiter Ferne ist. Er ist überhaupt nicht mehr da. Es gibt nur noch Mich und der bevorstehende Kampf mit meinem Trainingspartner. Mich und den mir zugewiesenen Auftrag zum Abwenden einer Gefahr. Mich und das Adrenalin und wenn der Kampf vorbei ist, der Einsatzauftrag erfüllt wurde.. Dann ist der Stress der "Normalität" nur noch ein Furz im Wind.

    Jeder muss etwas für sich finden, in dem Er/Sie aufgeht, was einen die Welt vergessen lässt. Geht regelmäßig Joggen, Radfahren, schubst Kühe um, lernt Fremdsprachen oder lasst euch zwei mal die Woche von Wildfremden durch ein Glory Hole beglücken. Aber findet etwas! Etwas das abseits von virtuellen Welten ist, denn es reicht nicht wenn es Eure Phantasie beschäftigt, es muss euch komplett in Anspruch nehmen.

    Ein Job ohne ein Leben ist nichts wert.

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