Dienstag, 11. Dezember 2012

Das Feindbild Vom Ex

Es ist schon witzig, wie schwer es manchen Menschen fällt, mit Harmonie umzugehen...
Wie schon erwähnt und die meisten ja sowieso irgendwie mitbekommen, bin ich wieder Single. Und es geht mir außergewöhnlich gut damit.

Ein Doppelbett ist verdammt groß, wenn man allein drin schläft.
Klar, die ersten Nächte waren grauenhaft. Alleine schlafen, alleine aufwachen, nach Hause kommen und keiner ist da... aber das hat sich ziemlich schnell gelegt. Unter anderem deshalb, weil mein Ex, der nach wie vor mein Mushu ist und bleiben wird, so über alle Maße für mich da war und ist.

Tatsächlich verstehen wir uns gut wie lange nicht! Und das ist nicht einmal ein Wunder, sind wir uns doch absolut einig darüber, dass das was wir tun, das Richtige ist.
Und so sieht auch unser Alltag aus. Wir fahren noch immer zusammen zur Arbeit. Wir verbringen nach Feierabend Zeit miteinander. Wir gehen zusammen ins Kino oder in den Zoo. Wir feiern zusammen Partys. Und wir lachen miteinander, sind füreinander da, schmieden gemeinsam Pläne für jeden einzelnen von uns. Wir suchen sogar zusammen nach Wohnungen, weil er ausgezogen ist und die Bude für mich allein zu groß und zu teuer ist. Wir planen unsere Single-Zukunft und wir freuen uns beide darauf.

Und unsere Freunde und Bekannte kommen überhaupt nicht damit klar.

Wir wären krank, heißt es. Oder dass wir ja doch noch irgendwie zusammen seien oder es bald wieder wären.

Fighting couples...
Da sieht man mal, wie verkorkst doch die Menschen sind, nicht wahr? Für die meistens ist es schier unbegreiflich, dass wir uns einigen konnten, dass wir uns weder hassen, noch andere in die wirklich unangenehme Situation bringen, Streiterein mit zu bekommen. Und ich denke, dass liegt an diesem festgefahrenen Feindbild vom Ex. Ein Ende muss doch nicht immer ein großer Knall sein. Ein Ende muss auch nicht immer dein Herz in tausend Teile zerreißen. Nein, ein Ende ist letztendlich doch auch nur ein Neuanfang.

Gut, ich muss gestehen, dass diese Situation für mich auch total neu ist. Meine bisherigen Beziehungen waren eigentlich keine. Bevor ich Mushu kennen lernte, waren Beziehungen, wenn es denn soweit kam, eher Mittel zum Zweck. Beziehungen bedeuteten Gratis-Sex ohne großes Anmachen-Abschleppen-Abhauen-Szenario, was auf die Dauer ein wenig ermüdend werden kann.
Und auch wenn ich die gescheiterten Beziehungen um mich herum betrachte, ist es doch meistens so, dass einer von beiden Ex-Partnern eine ekelhafte und erniedrigende Schlammschlacht anzettelt, unter der alle leiden. Verletzter Männerstolz ist so ziemlich das Unberechenbarste, was mir auf die Schnelle einfällt; und auch Weiber mit Liebeskummer können echt durchdrehen und mit ihren Aktionen nur noch alles schlimmer machen.

Mein Ex geht mit mir Pampahasen streichlen :)
Wenn ich an die Trennung meiner Eltern zurückdenke, in der anfänglich alles irgendwie vernünftig ablief und dann doch brutal den Bach runter ging, muss ich mir und Mushu heimlich lächelnd auf die Schulter klopfen. Es ist tatsächlich manchmal schon etwas beängstigend, wie vernünftig wir sind. Wie beste Freunde. Nur intensiver.

Nun, es gibt den hässlichen Poesie-Album-Spruch: "Wenn dir ein Mensch einmal wirklich wichtig war, wird er es auch immer sein". Tatsächlich finde ich, dass da eine ganze Menge Wahres dran ist.
Als wir entschlossen uns zu trennen, machten wir noch im selben Atemzug aus, dass wir einander nicht aus unseren Leben streichen wollen, und im Gegensatz zu vielen anderen, schaffen wir es durch Kommunikation und Vernunft das  genau so durchzuziehen. Ich finde, darauf können wir stolz sein. Auch wenn alle anderen damit nicht klar kommen.

Nun, ich werde an dieser Stelle schließen, denn weil 95 Prozent meiner Freunde und Familie um die 300 Kilometer weit weg leben, kommt mein Ex gleich rum und feiert mit mir in meinen Geburtstag hinein. Ich hatte das fast vergessen. Er nicht. "Kann ich dann bei dir schlafen", hat er mich vor ein paar Stunden am Telefon gefragt. Und als ich wissen wollte wieso, meinte er - als wäre es ganz selbstverständlich - "Ich kann bestimmt nicht mehr fahren, wenn wir in deinen B-Day reinfeiern. Und alleine sein willst du bestimmt auch nicht."

Stimmt genau. Gut, dass er mich so gut kennt.

Mittwoch, 5. Dezember 2012

Short Stories & Anthologies - Part I

Meet Misery

 Der Tag war hart. Ich bin total im Eimer und nehme meine Wohnung kaum wahr, als ich sie betrete, die Tür nur leicht beim schließen anschubse. Gedankenlos lasse ich den Schlüssel auf den Wohnzimmertisch fallen und greife im Vorbeigehen nach der geöffneten Weinflasche. Ich schenke mir etwas in das Glas vom letzten Abend und nehme einen tiefen Schluck. Noch mit dem Glas in der Hand, lasse ich mich auf die dunkelblaue Couch fallen, greife die Fernbedienung vom Tisch und verharre mit dem Daumen auf dem runden, grünen Knopf. Mein Blick haftet auf der schwarzen Mattscheibe der alten Röhre. Ich lehne mich zurück, die Fernbedienung noch immer in der Hand, der Finger auf dem Knopf, und schließe die Augen.

Als ich zu mir komme, habe ich den Geschmack von Eisen und Gummibärchen im Mund, noch bevor ich den süßlich, herben Geruch einatme und kaum Licht durch meine geschlossenen Lider scheint.
Ich öffne die Augen und blinzle verdutzt, als ich die fremde Umgebung um mich herum erblicke. Hatte ich die Haustür hinter mir richtig geschlossen?
Der Raum ist zwar nicht klein, doch durch die schwammige Atmosphäre, popelgrüne Tapeten, die nur von einer einzigen Stehlampe erhellt werden, dessen ehemals weißer Schirm mitlerweile schmierig beige ist, wirkt beengend. Ich erkenne in dem Halbdunkel eine klobige Kommode und ein ungefähr anderthalb Meter breites Bett mit Metallstreben. Die Matratze darauf verschwindet unter Wolldecken, einem kleinen Haufen Kleidungsstücken und lose herumliegender Bettwäsche.

In diesem Moment steigt Panik in mir auf und die skurrilsten Geschichten entwickeln sich in meinem Kopf. Wurde ich entführt? Verliere ich den Verstand? War das Leben, das ich bisher kannte, nur ein sich endlos ziehender Traum?
Ich kann mich nicht willendlich bewegen, tue es aber, denn ich nehme die seichte Bewegung wahr. Das ist der Augenblick, in dem ich mir sicher bin, den Verstand zu verlieren und einfach durchzudrehen. Ich will sprechen, schreien, heulen, doch kein Laut verlässt meine bewegungslosen Lippen. Mit all der mentalen Kraft, die ich aufbringen kann, versuche ich meinen Körper zu spüren, doch da ist nichts. Als wäre ich ein körperloser Geist, gefangen in einer Astralebene, stets den Blick in die wirkliche Welt gewandt. Aber ist sie das? Ist dieser trostlose, miefende Raum die wirkliche Welt?

In diesem Moment bewegt sich etwas auf dem Bett. Der ruhelose Geist in mir scheint sich aufzulösen und ich verliere komplett das Gefühl der Körperlichkeit. Wenige Augenblicke später fühlt es sich an, als wäre ich der Raum und würde von allen Seiten auf das herabblicken, was sich in mir abspielt.

Es ist ein Mädchen. Mager und hässlich. Ihre Haare sind spröde und fettig zugleich. Die Ringe unter ihren Augen könnte ich zählen, wäre ich nicht abgelenkt von ihrer wirklich lächerlichen Aufmachung. Sie wühlt sich aus dem Plunder, der auf dem Bett liegt, hebt die nackten, dünnen Beine auf den schmierigen Fußboden und gibt ein keuchendes Husten von sich. Sie trägt ein Kostüm. Ein Kostüm, wie karrieregeile Anwältinnen es in Bostoner Serien tragen. Doch ihr Kostüm ist schmutzig grau, hat überall Flecken, deren Herkunft ich gar nicht wissen will, und hängt knittrig an ihrem Körper, als würde sich beides gegenseitig abstoßen.

Wie in Trance beobachte ich, wie das Mädchen, ebenfalls wie in Trance, den Blick auf die Kommode wirft, auf der die Lampe steht. Im Lichtschein liegen allerhand Utensilien, die sowohl in ihr, als auch in mir eine Erregung hervorrufen. Sie erhebt sich wankend, beugt sich über die Kommode und gibt in kurzen Abständen seltsam saugende und röchelnde Geräusche von sich. Obwohl ich der Raum zu sein scheine, sehe ich mir das nicht an. Ich weiß, dass sie sich irgendetwas reinpfeifft und das ekelt mich an. Sie ekelt mich an.
Als ich die Augen vor diesem Schauspiel verschließe, beginnt mich eine imaginäre Hand zu ohrfeigen. Erst schlägt sie mich ins Gesicht, dann in den Nacken, auf den Hals und die Brust. Und obwohl ich in meinem scheinbar total durchgenallten Verfassungszustand in dem ich meine geistige Gesundheit an den Nagel gehängt habe, keinen Körper als solchen besitze, spüre ich die Schläge, ohne sie als schmerzlich wahrzunehmen.Als aus der imaginären Hand mehrere Hände werden, die mich überall schlagen, richtet sich das Mädchen schwankend auf und macht nahezu fallend einen Ausfallschritt. Mit einer halben Drehung um sich selbst steht sie vor einer weiteren Kommode, die im Halbdunkeln steht und streift sich das zu groß scheinende Jackett ihres Kostüms ab..

Sie stützt ihre Hände an den Seiten der Kommode ab, biegt dabei ihre dünnen, zerstochenen Ärmchen unnatürlich durch und ich frage mich, wie viel, beziehungsweise wie wenig Kraft man aufbringen müsste, um sie zu brechen. Ihr eingefallenes Gesicht ist gegen die Wand gerichtet. Ihre Augen sind geschlossen, doch ich kann sie unter den Liedern zittern sehen. Langsam richtet sie sich auf, drückt den Rücken zu einem Hohlkreuz durch und öffnet langsam die schwarzen, toten Augen und es ist, als würde sie mir direkt ins Gesicht sehen. Als ich diesen Gedanken zu Ende denke, kräuseln sich ihre trockenen, aufgeplatzten Lippen zu einem leichten, hämischen Grinsen.

Als würde sie mit den Schultern zucken wollen,  reckt die ausgestreckten Arme von sich und hebt sie leicht. Würde sie jetzt noch den Kopf in den Nacken legen, würde sie aussehen, wie eine im Geiste betende Irre. Doch sie wendet den Blick nicht von der Wand, in der ich körperlos Gefangen bin. Ich frage mich, was das ganze soll, und als hätte sie meine Gedanken gelesen, hebt sie die Arme noch etwas fordernder und mit den Unterseiten mir entgegen, meinem Blick.
Und dann begreife ich es: Sie will mir etwas zeigen. Als wüsste sie, dass ich da bin! Ein Funken Hoffnung keimt in mir auf, denn wenn sie weiß, dass ich da bin, bin ich vielleicht doch nicht ganz so verrückt, wie ich denke.

Kaum merklich nickt dieses hässliche und zerbrechliche Geschöpf mir, der Wand, entgegen und ich folge ihrem Wunsch und betrachte ihre Arme. Dunkle Flecken in den verschiedensten Farben, braun, grün und lila, sind in ihren Ellenbeugen zu sehen, doch ich weiß instinktiv, dass es das nicht ist, was sie mir zeigen will. Ich sehe genauer hin, betrachte ihre Haut und mein Blick wird intensiver.

Meine Körperlosigkeit wird mir einmal mehr bewusst, denn ich verliere mich in dem was ich sehe und es ist mir gänzlich unmöglich zu sagen, ob ich in der Wand, im Raum oder in der Atmosphäre schwebe.
Die Haut ihrer Arme gleicht nun altem Milchpapier und beginnt sich immer mehr aufzulösen. Vor meinem Blick legt sich das rosige Fleisch brach, die kümmerlichen Muskeln ziehen sich zurück und ein Netz aus Nerven und Adern zeigt sich mir. Als würde ich näher herantreten, wird dieser Ausblick intensiver, näher und ich sehe die gleichmäßigen Bewegungen ihrer Nerven und Venen. Ich kann das Rauschen ihres Blutes hören.
Und dann sehe ich es. Ihr Blut. Und es ist nicht rot uns fließend, wie ich es zuerst annehme. Nein, es ist zähflüssig und blassrosa. Und es ist nicht das einzige, was durch diese offenen Venen fließt. Ihr Blut besteht viel mehr aus einer weißgelben Paste, die sich zäh durch die engen Adern kämpft. Und augenblicklich schmecke ich all das, was durch ihren Körper fließt. Den Alkohol, das Kokain, das Heroin. Es schmeckt fürchterlich bitter und betäubt meinen nicht vorhandenen Körper.

Als sie meine Erkenntnis spürt, fasst sie sich an den Hals, als würde ihr die Luft abgeschnürt.Panik spiegelt sich in den weit aufgerissenen Augen wider und der Wunsch zu fliehen, schleicht wie ein Kribbeln ihren Rücken hinauf, bis sich ihre Nackenhärchen aufstellen und ihr ganzer Körper von einer Gänsehaut erfasst wird.
Doch als ich meine Aufmerksamkeit wieder ihrem Gesicht zuwende, bemerke ich, dass all das nicht stimmt. Denn ihre Züge sind ausdruckslos, höchstens spottend. Und ich spüre, dass es meine Empfindungen sind, die ich auf sie reflektieren wollte. Ich habe Panik. Ich will fliehen. Ich ersticke!
Ich will meinen Blick vor ihr verschließen, will dieser seltsamen Situation entfliehen und meinen Verstand zwingen wieder vernünftig zu arbeiten. Ich schüttele mein körperloses Selbst und will um mich schlagen.

Als ich zu mir komme, habe ich den Geschmack von Eisen und Gummibärchen im Mund, noch bevor ich den süßlich, herben Geruch einatme und kaum Licht durch meine geschlossenen Lider scheint.
Ich öffne die Augen und sehe in den Spiegel, der über der Kommode steht, an der ich meine dünnen Arme abstütze. Mein Spiegelbild sieht mir mit ausdruckslosen Augen entgegen und nickt langsam. Eine Bewegung die ich nicht spüre, denn mein Körper ist berauscht und betäubt. Die Erkenntnis trifft mich wie ein Schlag, der mich zurück in den Raum wirft.


Ich öffne die Augen und drücke den grünen Knopf der Fernbedienung und der Fernseher springt an. Während einer Verfolgungsjagd durch New Yorker Straßen läuft, stehe ich langsam auf und schließe meine Haustür richtig. Ich gehe ins Badezimmer und schaue in den Spiegel. Das Spiegelbild das sich mir zeigt, bin nicht ich. Denn ich bin in einem popelgrün tapezierten Raum, der kaum beleuchtet ist und warte darauf, dass ich mich selbst wiederfinde...

Mittwoch, 14. November 2012

Souls

Ich habe wirklich lange überlegt, ob ich es zum Thema machen soll, aber vielleicht kennt ihr das ja auch? Es gibt Dinge, die man loswerden muss, bevor man weiter machen kann. Manchmal. Längst nicht alles davon gehört ins Internet... Ich versuche es dennoch...

Unsere Gesellschaft, die Medien, alles spricht das ganze Leben davon, einen Seelenverwandten zu finden, mit dem man den Rest seines Lebens verbringt. Und selbst Menschen, die diese These für Blödsinn halten - vor einigen Jahren gehörte ich noch an die Front dieser Fraktion - werden eines besseren belehrt, wenn sie ihn dann finden.

Ich habe meinen Seelenverwandten gefunden. Ganz unverhofft und ohne danach zu suchen, trat er vor einigen Jahren in mein Leben.
Ich glaube nicht, dass man sein Soulmate auf die herkömmliche Art lieben muss. Ich denke viel mehr, dass dieser Jemand auch ein Freund sein kann oder eine Freundin. Jemand, den man liebt, ohne mit ihm zu schlafen oder einen Wohnraum mit ihm zu teilen. Bei mir traf das nicht zu, denn ich habe beides getan.

Heiraten oder Kinder kamen für mich nie in Frage. Meine Freiheit war mir immer wichtiger. Die Idee, gehen zu können, wann immer und wohin ich auch will, hatte für mich generell oberste Priorität.
Doch mein Soulmate gab mir diese Freiheit, obwohl er mich gleichzeitig band. Und das ist es wohl, was ihn ausmacht, den Seelenverwandten: Bedingungslose Hingabe, auch wenn das bedeutet loszulassen.
Heirat und Kinder waren plötzlich Möglichkeiten. Aus Möglichkeiten wurden Pläne, auch wenn man nie Nägel mit Köpfen gemacht hat. Die Idee am Ende alt und runzlig den Menschen an seiner Seite zu haben, der einen vollkommen ergänzt, war eine Vorstellung, die eine wohlige Glückseligkeit in meiner Brust säte.
Und das ist sie immer noch.

Und dennoch ist das Band zwischen mir und meinem Seelenverwandten fast gerissen.

Als freiheitsliebender Mensch dachte ich, dass es einfacher sein würde, zurück ins eigene Leben zu finden. Zurück in mein Leben ohne Soulmate. Doch wie könnte ich, fehlt nun eben für immer ein Stück?
Das ist der Moment, in dem ich noch vor einigen Jahren gesagt hätte: "Könnte ich nur vergessen"
Heute bin ich froh es nicht zu können. Man schätzt erst wert, was man verloren, ist ein Spruch, der passen könnte. Doch das würde von mangelnder Wertschätzung unser Nächsten zeugen..

What the Hell will ich damit eigentlich sagen?

Es bedeutet, dass ich mir nicht hätte träumen lassen, dass es jemanden in meinem Leben geben könnte, bei dem die Freude, ihn in meinem Leben zu haben, die Trauer seines Verlusts übertrifft.
Im Moment, tut es noch unheimlich weh in seiner Nähe zu sein. Und dann ist es doch viel schmerzhafter ihn wieder gehen zu lassen, wenn das Bier leer, Die Kippe geraucht oder der Karton gepackt ist.
Und noch während ich mein Leben ohne Soulmate neu plane, denke ich ans gemeinsames alt und runzlig sein.

Das Band zwischen meinem Seelenverwandten und mir ist fast gerissen.

Aber eben nur fast...


To be continued... maybe..

Montag, 5. November 2012

Fifty Shades Of Gähn

Wie schon erwähnt: Ich lese wieder viel in letzter Zeit. Da traf es sich ganz gut, dass meine Lieblings-Azubine mir anbot, Shades of Grey mitzubringen.
Ich hatte so viel von dem Buch gehört, von den miesen Kritiken und den millionenstarken Fangemeinden, da musste ich zuschlagen. Außerdem geht es um Sex, um harten Sex - meine Neugier war also von vornherein geweckt.

Jah... total hard...
Ich las also den ersten Teil, Shades of Grey - Dunkles Verlangen, in einer Nach ratzekahl weg. Ja, ich habe es verschlungen! Aber nicht etwa, weil es sich um einen tollen Roman handelt, sondern - um es mit den meiner Meinung nach schnell ermüdenenden, angeblich humoristischen Worten der Autorin zu sagen - Meine innere Göttin gähnt vor sich hin und mein Unterbewusstsein schielt genervt über die Brille und fragt "Kommt da jetzt noch was?".

Nachdem ich das Buch durch hatte, zeigte sich mir die Tatsache, dass es sich um eine Trilogie handelt. Okay, dachte ich mir, vielleicht kommt da ja wirklich noch was? Ich las genauso schnell die Fortsetzung Gefährliche Liebe und letzte Nacht schließlich 50 Shades Freed - auf englisch, weil ich glücklicherweise nicht so blöd war und auch noch Geld für den literarischen Stuhlgang zu bezahlen. Bei Interesse findet ihr alle drei Bände locker flockig im Internet und ich rate euch: Nehmt die paar Stunden Augenkrebs in Kauf und lest das Ganze am Rechner, wenn es denn unbedingt sein muss. Für das gesparte Geld könnt ihr beispielsweise bei Orion oder der funfactory einkaufen, und wirklich guten Sex erleben...

Hier also mein Resumée: Die 50 Shades of Grey-Trilogie ist definitiv zu Recht als Hausfrauenporno bezeichnet worden. Zum einen ist die Schreibe der Autorin, E L James, schlechter als meine eigene mit 13 Jahren. Ständige Wortwiederholungen und ein wirklich geringer Wortschatz - wahrscheinlich baut das aufeinander auf - raubten mir schnell den letzten Nerv und sobald ich merkte, dass sie wieder eine ihrer beliebten Floskeln verwendet, übersprang ich schnell mal vier oder fünf Zeilen.
Tja, und der Sex... Ich will ja nicht aus dem Nähkästchen plaudern, aber lest es, und ihr werdet mir zustimmen, dass jeder normale Mensch mit einem intakten Sexualleben bis Seite 300 nichts erfährt, was er selbst nicht schon erlebt hat. Für offene Menschen mit einer gewissen sexuellen Neugier wird sich hier garnichts Neues zeigen - in keinem der drei Teile. Und ich muss sagen, das ist wohl das Entäuschendste von allem. Schlechte Schreibe, eine nervige Protagonistin und eine lauwarme Story - okay. Aber dann sollen sie es doch bitte wenigstens ordentlich miteinander treiben!

"Pornoqueen" E L James
Man kann die Liebe zu ihren Charakteren gut rauslesen, die E L James liebevoll aus Twilight kopiert hat - den soweit ich weiß, begann die Geschichte um Ana Steele und Christian Grey als Fanfiction zu Twilight.
Und die Protagonistin, Ana Steel,.. nun, was soll ich sagen? Sie nervt! Mit ihrem ständigen hin und her; will ich ihn oder will ich ihn nicht, find ich es geil, wenn er mir den Arsch versohlt oder nicht?... das ist wirklich ermüdend! Die Nebenrollen sind seicht und erzählen teilweise Geschichten, die sich dann wieder im Nichts verlieren. Christian Grey in all seinen Facetten, - eben der Namensgeber der Trilogie - ist das einzig Interessante an den Büchern. Dort wird ein attraktiver und sinnlicher Charakter dargestellt, der mich auch gerne mal in seinem Spielzimmer übers Knie legen darf. Und dann kommt diese Tussie und kastriert ihn.... wirklich enttäuschend.

Achtung! Spoiler! Der Verlauf der Geschichte bringt alles mit, was man jeden Abend bei Gute Zeiten, Schlechte Zeiten sehen kann - falls das noch läuft? 
Anzügliche Freunde und Chefs, die alle das Mauerblümchen vögeln wollen, ehemalige Subs (Submissive) von Grey, die durchdrehen und die neue Freundin bedrohen, Entführungen, Hochzeiten, Schwangerschaften und ein rosa stinkendes Plüsch-Happy End mit einer tollen neuen Villa und zwei gesunden Blagen... also abgedroschener und langweiliger geht es nun wirklich nicht. Und hinzu kommt, dass Ana Steele eine mädchenhafte kleine Pussy ist, die nichts aushält und sich deshalb der BDSM-Teil des Buches tatsächlich auf ein Minimum beschränkt.

Hinzufügen möchte ich außerdem, dass die Bücher ein unterschwelliges Statement vermitteln, das zwar durch die kundige Aussage eines Therapeuten im Buch widerlegt wird, dennoch immer wieder eine Rolle spielt.
Den Eindruck zu vermitteln, jemand würde auf harten Sex oder BDSM stehen, weil er eine schwere Kindheit hatte, geschlagen oder missbraucht wurde, finde ich überaus unpassend und lächerlich...

Für sowas muss man weder Dom noch Sub sein..
Fazit: 50 Shades of Grey ist eine leicht erotisch  anspielende Liebesgeschichte ohne tiefen Sinn. Der Sex ist nicht annähernd ausreichend, den Leser zur Masturbation zu bewegen oder seinen Partner in Schlafzimmer zu sperren... oder ans Andreaskreuz zu ketten - jeder wie er's mag. Die Romane haben den Charme eines Teenagers, der heimlich erotische Geschichten schreibt und diese beim Ausmisten fünf Jahre später, reumütig ansieht und in den Müll schmeißt. Ich empfehle außerdem die Bücher auf englisch zu lesen.

Oh, ein gutes Haar will ich dann doch an den Büchern lassen: Am Ende des dritten Buches gibt es dann doch noch ein paar interessante Texte: Greys Erinnerung an sein erstes Weihnachten mit der neuen Adoptivfamilie und die ersten beiden Begegnungen mit Ana Steel - das Interview und die Begegnung im Baumarkt - werden aus seiner Sicht dargestellt. Hätte E L James alle drei Bücher aus Sicht des Dom geschrieben, hätte ich 50 Shades of Grey mit Sicherheit nicht so sehr in der Luft zerrissen, wie ich es soeben mit diesem Blog getan habe,



Donnerstag, 1. November 2012

The Dark Tower: Jede Menge Wind

Jajaaa, ich weiß, lange nix gehört. Aber ich lese so viel in letzter Zeit und wenn ich einmal anfange fällt es schwer aufzuhören. Außerdem kann man ja nicht immer nur Output geben...

http://tinyurl.com/c2ehauo

Selten habe ich mich so auf ein Buch gefreut und war dennoch so wenig aufgeregt, wie bei "Wind" (Orig.: The wind through the keyhole) von Stephen King. Ich stand Band 4.5 aus dem Epos "Der dunkle Turm" mit gemischten Gefühlen gegenüber, weil ich wusste, dass ich nichts ausschlaggebendes mehr von Roland und seinem Ka-Tet erfahren würde. Die Reise zum Turm ging ja bereits so gut zu Ende, wie es nur möglich war.

Laut eigener Aussage schrieb King das Buch, weil er das Gefühl hatte, zwischen Band vier und fünf würde etwas fehlen. "Glas", in dem das Ka-Tet die Stadt Lud hinter sich lässt und mehr über Roland und seine Geschichte erfährt, endet, als der Revolvermann, Jake, Eddie, Susannah und Oy den gläsernen Palast hinter sich lassen. In "Wolfsmond" gelangt das Gefolge des Turms nach Calla Bryn Sturgis, wo ihre Dienste in Anspruch genommen werden.

Zwischen diesen Ereignissen spielt "Wind". Und ich muss sagen: Meine Erwartungen wurden erfüllt. Eben weil ich keine allzu Hohen hatte.

Roland, der letzte Revolvermann von Mittwelt, der ehemalige Junky Eddie aus dem New York der 1960er Jahre, die in Remission shizophrene, schwarze Susannah, die im Rollstuhl sitzt und aus dem New York der 50er stammt, sowie der zwölfjährige Jake aus New York im Jahre 1977, der bereits in zwei Welten gestorben ist, realisieren, dass ihr vierbeiniger Freund Oy, ein sehr intelligentes Tierchen mit lingualen Talenten, sich nur deshalb so merkwürdig verhält, weil er einen Stoßwind wittert.
Vor diesem wirklich üblen meteorologischen Ereignis verschandelt sich das Ka-Tet in einem Schuppen und harrt zwei Tage dort aus, um das Unwetter vorbei ziehen zu lassen.Währenddessen erzählt Roland eine Geschichte, die wiederum eine weitere Geschichte enthält. Roland beginnt zu erzählen und gemeinsam mit Rolands Gefährten beginne auch ich zu lauschen....

Wir erfahren, wie es nach dem Tod seiner Mutter mit Roland weiter geht. Nach den Strapazen in Mejis, schickt sein Vater ihn mit Jamie DeCurry nach Debaria, wo ein fürchterliches Monster bereits reichlich geschlachtet hat.
Währen das ungleiche Paar, Roland und Jamie, versuchen den seltsamen Fall aufzuklären, macht unser Protagonist Bekanntschaft mit einem Jungen, der nicht viel jünger ist als er, und der durch das Monster seinen Vater verloren hat. Weil die beiden einen längeren Zeitraum auf engste Raum zusammen sind und der Junge verängstigt ist, erzählt Roland ihm seine Lieblingsgeschichte...

Diese handelt wiederum von Young Tim, der seinen Mut und seine Liebe zur Familie unter Beweis stellen muss, um ein unglaubliches Abenteuer zu erleben.

Young Tim's Reise führt natürlich in einen dunklen Wald.
Nun, ich will ja nicht zu viel verraten für all jene, die "Wind" noch vor sich haben, deshalb kann ich auch nicht viel mehr davon erzählen. Alles liest sich ein wenig märchenhaft. Dieses Buch lebt meiner Meinung nach von phantastischen Erinnerungen und Fabeln, die bezaubernd, spannend und rührend sind. Inhaltlich ist es aber eher fade. Leider. Aber das liegt eben auch daran, dass die Reise zum Turm bereits beendet wurde.

Für Fans des Epos ist "Wind" auf jeden Fall ein Muss. Es lädt ein in nostalgische Erinnerungen einzutauchen, die von der Zeit zeugen, als man noch selbst auf dem Pfad des Balkens wanderte und der Turm das einzige Ziel vor Augen war. Wir treffen alte Bekannte und lernen neue, fabelhaft räudige Charaktere kennen.

Abschließend möchte ich noch ganz klugscheißerisch anmerken: Ich denke, wenn Roland die Informationen aus "Wind" auch in den darauf folgenden Bänden vor Augen gehabt hätte, hätte er einige Entscheidungen anders getroffen - besonders in Bezug auf Walter, vielleicht sogar wenn es darum geht, einige letzte Türen zu öffnen...

Nun, in jedem Falle wünsche ich euch viel Spaß beim lesen. Es lohnt sich nicht das Extrageld für eine gebundene Ausgabe zu zahlen; das Taschenbuch reicht locker aus. Aber ins Regal gehört "Wind" - ganz klar - zusammen mit den anderen sieben Teilen.